Am 19. Januar wurde das neue Jahresmotto mit einer Dialogpredigt in St. Martin eröffnet.
Dabei gab es einen Dialog zwischen dem Bauer (Jan Elert) der Neuland mit dem Pflug bearbeiten wollte und Pfarrer Maas.
Jan Elert: Hallo Herr Pfarrer, also das ist ja schon ganz schön harter Tobak, was wir da gehört haben. Die Altäre werden zuwuchern. Gott kommt, um uns zu züchtigen. Also ich weiß nicht.
Michael Maas: Also ich bin jetzt auch ganz durcheinander. Aber aus einem anderen Grund. Was wollen sie denn in diesem Aufzug im Gottesdienst. Ich glaube Sie haben sich geirrt. Hier ist nicht der Orchideenzüchterverein. Außerdem stören Sie den Gottesdienst!
Jan Elert: Nein, nein. Ich bin ganz richtig. Das ist klar. Ich weiß schon, wo wir sind: in der Kirche St. Martin. Das passt haargenau.
Michael Maas: Ja dann schauen Sie sich mal um. Ob da noch jemand so rumläuft wie Sie? Also bissl Anstand und Respekt dürfte man ja in der Messfeier schon erwarten, oder? Und dann mit dem Schubkarren? Wo führt denn das noch alles hin?
Jan Elert: Ja, wir haben doch von der Kirchengemeinde ein neues Jahresthema, haben Sie das noch nicht mitbekommen?
Michael Maas: Echt jetzt. Also mir wird das alles langsam zu viel. Erstkommunionvorbereitung, die Firmung startet wieder und dann auch noch Kirche 2030 wo alles anders und neu wird. Da kann ich jetzt net noch mich auch um so ein neues Jahresthema kümmern. Tut mir leid.
Jan Elert: Das ist ja gerade der Grund. Wir haben uns für ein Wort aus dem Buch des Propheten Hosea entschieden. „Nehmt Neuland unter den Pflug“. Denn es gibt ja in der Tat viel Neues, das auf uns zukommt.
Michael Maas: Und dann haben Sie gedacht, sie ziehen gleich mal was ganz Neues an, um in die Kirche zu gehen, oder wie?
Jan Elert: Unter den Pflug kann ich ja nur etwas nehmen, wenn ich auch in den Garten gehe und pflanze. Deshalb mein passendes Outfit. Und das hab ich jetzt eben in die Kirche mitgenommen aus diesem Grund.
Michael Maas: Aha. Jetzt kann ich es immerhin verstehen. Es soll also was gepflanzt werden.
Jan Elert: Das hatte ich auch gedacht. Aber dann höre ich in der Lesung hauptsächlich düstere Prophezeiungen. Dass die Altäre abgerissen werden und überwuchern. Dass Israel für seine Sünden büßen muss usw. Gar nichts Aufbauendes, wie ich gehofft hatte.
Michael Maas: Dann hättet ihr schon einen anderen Bibelvers als Leitwort aussuchen sollen. Die Propheten haben nunmal die Missstände benannt, die es zur damaligen Zeit gab. Und das waren ja eine Menge.
Jan Elert: Jetzt bin ich aber neugierig…
Michael Maas: Letztlich hängt alles damit zusammen, dass die Menschen sich von Gott abgewandt haben. Das kleine Volk Israel war immer in der Gefahr, sich gegenüber den großen Nachbarn als unbedeutend einzustufen. Und da gab es dann Priester und Könige, die gemeint hatten, dass man sich von Jahwe abwenden könne oder zumindest den eigenen Glauben mit dem Glauben anderer Völker verbinden könne. Dagegen haben die Propheten ihre Stimme erhoben und sie daran erinnert, was das Volk Israel seinem Gott verdankt.
Jan Elert: Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Wenn ich mich hier so umschaue, dann bleiben auch viele Bänke leer. Jetzt sind es zwar keine anderen Götter der Nachbarn, die attraktiv erscheinen, aber dafür sind es oft anderer Dinge, um die wir kreisen: die sozialen Medien, wo so viele ihre Zeit verbringen; das liebe Geld, um das sich so vieles dreht; der Fitnesskult, der seine Zeit in Anspruch nimmt. Und dann muss man leider sagen, dass sich auch die Priester und die Kirche nicht immer gut verhalten. Das fällt dann halt doppelt auf.
Michael Maas: In gewisser Weise ist das sehr ähnlich zur damaligen Zeit. Auch da haben viele Priester und die Könige sich nicht gut verhalten und mehr um sich und ihre eigenen Vorteile gekümmert als um das Wohl der Menschen, die ihnen anvertraut waren. Und das prangert Hosea eben sehr eindrucksvoll an.
Jan Elert: Deshalb schimpft er so. Aha.
Michael Maas: Ja nicht nur. Das ist nur ein Teil davon. Auch das ganze Volk hat sich davon verführen lassen und sich von Gott abgewendet. Und das betrifft eben nicht nur die Feier der Gottesdienste, sondern auch dass man eben in die eigene Tasche gewirtschaftet hat und sich nicht der Schwachen und Bedürftigen angenommen hat. Das gehört im Alten Testament immer zusammen: Gott die Ehre zu geben und für die Bedürftigen da zu sein bzw. Gerechtigkeit zu üben.
Jan Elert: Und das Neuland, das es zu beackern gilt, ist dann, sich wieder neu Gott zuzuwenden?
Michael Maas: Ja genau, in diesem umfassenden Sinn. Deshalb geht der Satz ja weiter: „Es ist Zeit, Gott zu suchen.“
Jan Elert: Das wäre in der Tat auch eine Aufgabe für heute. Gott zu suchen. Nicht so sehr die Fehler bei anderen. Auch wenn das natürlich bisweilen auch Spaß macht, wenn ich ehrlich bin.
Michael Maas: Und wo wir Gott suchen, da lässt er sich dann auch finden. Das ist die Verheißung, die er uns gibt. Es ist nie vergebens, dazu Neuland zu beackern. Und gerade wenn jetzt einiges „neu“ wird, etwa in unserer Kirchengemeinde, dann kann das nur etwas werden, wenn wir dabei ernsthaft Gott suchen und nicht den eigenen Vorteil.
Jan Elert: Das habe ich schon auch gehört: „Dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten.“ Das hört sich in der Tat gut an. Mit Heil würde ich gerne mal überschüttet werden. Das wäre spannend herauszubekommen, wie das aussieht.
Michael Maas: Ich glaube, das zeigt sich wenig spektakulär, können wir aber durchaus erleben. Es wird unsere Beziehungen stärken, wenn wir uns nicht nur auf uns selbst ausrichten, sondern auf die anderen. Es wird uns helfen, mit Schwierigem besser umzugehen, wenn wir es Gott anvertrauen und nicht meckern und schimpfen; es wird uns zufrieden und dankbar machen, wenn wir erkennen, was es alles an Schönem in meinem Leben gibt.
Jan Elert: In der Tat. Das ist schon eine ganze Menge. Die anderen Bibeltexte, die wir hören werden, können uns dazu auch etwas sagen: dass wir die Gaben der anderen schätzen und erkennen wie reich wir werden, wenn sich alle einbringen können. Und dann das Wunder bei der Hochzeit zu Kana. Wenn aus etwas ganz Gewöhnlichem wie Wasser etwas Besonderes wird wie Wein. Das liegt ja manchmal allein an der Betrachtungsweise. So will ich gerne das Neuland unter den Pflug nehmen.
Michael Maas: Aber dann bitte erst nach der Messe… Jetzt wollen wir doch erstmal den Gottesdienst weiter feiern… Oder nein… Das passiert ja auch, wenn wir Gottesdienst feiern. Wenn wir uns mit allem, was uns beschäftigt, auf Gott hin ausrichten. Dabei sein Wort hören, ihm unsere Anliegen vortragen und uns in der Eucharistie von ihm stärken lassen. Da werden wir dann mit Heil überschüttet.