Liebe Schwestern, liebe Brüder,
d Fasnet jährt sich nun schon wieder
Und ich mach’s, wie’s sich gehört
Damit das Narrenvolk betört
Und reim meine Predigt wie jedes Jahr
Auch wenns anders ist, wie es schon war.
Denn dieses Jahr brauch ich Euren Beistand, das ist gewiss
Ich hab vor dem allen jetzt mächtig Schiss
Denn, ich sags gar nicht laut, es fällt mir schwer
Ich eigentlich gar nemmer euer Pfarrer jetzt wär
Der residiert im fernen Krozingen und regiert
Ich bin nur noch dem sein Fußvolk, bin abgeschmiert
Deshalb brauch ich Eure Tröstungen, es ohne nicht geht
Wir proben das jetzt deshalb, damit ihr das seht
Wie ihr das korrekt und richtig macht
Das kriegt ihr hin, das wär doch gelacht
Wir proben es also nun: „Oh“ und „Ah“ müsstet ihr sagen
Dann kann ich es weiterhin hier mit euch wagen
Euer Pfarrer zu bleiben, vom lieben Gott zu erzählen
Mit eurer Hilfe kann ich neuen Mut dafür wählen
Also: probieren wir es mal schnell: Oh
Das war schon ganz gut, gell.
Und jetzt noch: Ah – Dann wird alles werden
Und ich kann euch erzählen von meinen Beschwerden
Gut, ihr habt mir jetzt Hoffnung gegeben.
Also bericht ich Euch mal aus meinem Leben.
Es ist schrecklich, es ist fürchterlich und schlimm
Meine Arbeit krieg ich fast nicht mehr hin.
Hab Messen jetzt, in Kirchhofen und Pfaffenweiler
Ich muss schon sagen, hier in St. Martin, da ists schon geiler
Die Siegel und Kirchenbücher haben wir abgegeben
Was ist denn das für ein schreckliches Leben
Keine Rechnung darf ich mehr unterschreiben
seh deshalb nicht, wos Geld tut bleiben
Noch nicht mal ne Spendenquittung darf mein Servus noch zieren
Für alles, was ich will, muss ich kriechen nach Krozingen, auf allen Vieren
Zu allem Überdruss, dass muss man doch noch erwähnen
Ist es zum Heulen, ist es zum Gähnen?
Heißt unser Pfarrblatt jetzt St. Alban Bad Krozingen im Osten
Da kommen doch nur die Narren auf ihre Kosten
Wobei, selbst die sind vermutlich angeschmiert
Weil so einen genialen Witz haben die noch nie kreiert
Also brauch ich euren Beistand, ich sage das so
Bitte tröstet mich mit einem lauten ____
Und streichelt meine Seele, seid fröhlich da
Und lächelt mich an mit einem ____
Danke. Ich glaub, jetzt wird’s schon gehen.
Ich merk, so schlimm ist nicht, habs noch gar nicht gesehn.
Manches auf dem Weg zur Kirche 2030 gewiss noch holpert
Aber nur wenn man läuft, man auch mal stolpert
Auch wenn am Anfang nicht alles schon funktioniert
Im Lauf der Zeit wird sicher manches noch kapiert
Und fromme Menschen hats auch in Schallstadt und Kirchhofen
Da leben ja nicht einfach die Dappigen und Doofen
Die Messen dort sind auch sehr schön
Erheben die Seele, so kann das gehen.
So bin ich jetzt schon ganz zuversichtlich, wir kriegen das hin
Oh je, da kommt mir was andres in den Sinn
Mein Nachbar, der sagte es schon vor nem Jahr
Ganz ohne Häme wolle er meinen, das sein erstes Wort damals war
Ich müsse doch wirklich langsam sehn
Dass ich nicht zu sehr würd auseinander gehn
Mein Gewicht, so sagt er mit einem Grinsen im Gesicht
Das sei doch viel höher als früher – dieser Bösewicht
Doch leider, das muss ich ihm attestieren
Nützt es auch nichts, mich zu genieren
Oder den Bauch mal eben einzuziehen
Das krieg ich einfach nicht mehr hin
Beim Waschen gehen alle meine Hosen ein
Auch in die Hemden passe ich nicht mehr recht rein
Das Schlimme ist, wenn er das sagt, ist das nicht nur frech
Der Gute Mann. Er hat auch noch Recht.
Ich brauch schon wieder Euer Mitleid, und bitt darum: ____
Das gibt mir Lebensfreude, Appetit und so
Und deshalb auch nochmal Unterstützung mit dem ____
Dann futter ich mich wieder mit Freude durchs Jahr
Denn so schlimm ist es ja gar nicht, das muss man mal sehen
Im Laden wollen sie auch neue Klamotten verkaufen, sehr schön
Und außerdem jetzt dann die Fastenzeit beginnt
Ich deshalb sicher wieder abnehm, geschwind.
Ich dank euch sehr, fass neuen Mut
Das tut mir heute wirklich gut
Doch was merk ich, so schön das alles wieder ist
Es bleibt doch noch übrig ne Menge Mist
Denn nicht nur die Welt im Kleinen ist aus den Fugen
Auch im Großen tuts mächtig spuken.
Ihr dürfts ruhig zugeben, habts letztes Jahr kaum geglaubt
Dass Trump die Insel Grönland sich klaut
Und dann würd seine Fühler ausstrecken
Ich sags euch nochmal, s isch ums Verrecken
Nach dem Münstertal und nach Staufen
Was grad in der Welt alles schief läuft, kann gar net so viel saufen
Dass man sich das alles schöntrinken könnt
Selbst wenn man sich mal hin und wieder nen Schoppen gönnt
Da hilft nur euer Zuspruch, der macht mich dann froh
Erhebt eure Stimme, stimmt ein und ruft _____
Jetzt noch ne Streicheleinheit hinterher, hell und klar
Das ermutigt, gibt Schwung, ein erkenntnisreiches ___
Doch Halt! Dürft ihr das überhaupt, ist euch das gegeben
Als Narren hier das Wort zu erheben?
Unverkennbar, so haben wir es vernommen
So ist es an all unsre Ohren gekommen
die Heilige Schrift, das Evangelium
Das Wort „Narr“ als Schimpfwort gebraucht, das ist doch echt dumm
Wer einen anderen so würd nennen, seine Umgebung würd damit beschallen
Der sei dem ewigen Feuer der Hölle verfallen
Uiui, wie kommen wir da jetzt raus, kann man das noch erklären?
Oder tun diese Wort einfach nur stören?
Ah, jetzt seh ichs. S isch gar net so schlimm
Wenn man richtig lesen kann, dann kriegen wirs hin
Nur wer einen gottlosen Narr einen anderen ruft
Diese Strafte dann nach sich zieht, dieser Schuft.
Und eigentlich, ich sags euch, werd dabei auch net rot
Die Überstzung isch schlecht, besser als „Narr“ wär: Idiot.
Doch, das muss ich zugeben, es steht auch noch mehr an der Stelle,
was nach sich zieht die Strafe der Hölle
Und das ist schon wirklich hart
An Kritik vom Herrn Jesus wird hier nicht gespart
Nicht nur Ehebruch wird von ihm kritisiert
Die 10 Gebote werden von ihm sogar noch frisiert
Nichtmal schöne Augen darf man einer anderen machen
Nen Spruch, lüsternes Anschauen und so Sachen
Denn so sagt es unser Meister und Herr
Das schon der erste Schritt zur Sünde wär
Und davor will er uns bewahren
Uns schützen vor allen Gefahren
Deshalb, auch wenn es vielleicht hart klingt, uns nicht passt
Er dadurch von uns nehmen will manche Last
Und zeigen will einen gute Weg
Wie unser Leben in die richtige Richtung geht
Also: pass auf dich auf, zähm dein Mundwerk und deinen Blick
Dann kommst du nach oben Stück für Stück
Bis in den Himmel am Ende hinauf
Das Leben nimmt wunderbar seinen Lauf
Und noch was anderes sagt er uns deutlich und klar
Schließ mit deinem Feind Frieden, wirklich, fürwahr
Meine nicht, dass das ein Gericht könnten klären
Nein, DU solltest ihm die Versöhnung gewähren
Die Sprache entwaffnen, bissl abrüsten verbal
Das ist besser als draufzuhauen, allzumal
Bereiche wo wir darin gefordert, gibt’s wahrhaft genug
Ich nenne mal die Windkraft in einem Zug
Sich hier zu versöhnen, s ist schlecht drum bestellt
Die einen sind dafür und retten die Welt
Die anderen sind dagegen und retten den Wald
So unversöhnlich es durch unsere Gemeinden schallt
Doch bedenkt bitte eines, man kann ja beide Seiten verstehn
Meint nicht, das könnte immer weiter so gehen
Jeder klettert immer höher hinauf auf seinen Baum
Meint nur so verwirklicht er seinen Traum
Wird immer massiver: sagt, der andere ist dumm
Hat keine Ahnung und steht hier nur rum
Streitet euch in der Sache, setzt euch dafür ein
Aber achtet einander – nicht nur zum Schein
Denn nicht wer lauter schreit hat was zu sagen
Das Miteinander, das sollte man in ALLEM wagen
Wir leben doch hier an einem Ort
Haltet Krawall und Missgunst deshalb von euch fort
Lasst es auch nicht von außen zu euch tragen
Von der Zeitung oder anderen, die meinen, sie hätten was zu sagen
Wir haben das bei der Bürgermeisterwahl gesehn
Was da alles geschrieben wurde, das war nicht schön.
Ein Riss würde durch unser Städtle gehn, so wars zu lesen
Ich würd sagen: Außer Spesen nichts gewesen
Man muss ja nicht immer einer Meinung sein
Aber Achtung voreinander ist mehr als fein
Es ist unser christlicher Auftrag, danach sollten wir handeln
Und nicht als Egoisten durch den Alltag schlafwandeln
Deshalb hat es mich nach der Wahl sehr gefreut
Als unser neuer Bürgermeister sich nicht hat gescheut
Das alles ins Reich der Fabel zu senden
Und sagte: diese Diskussion, die kann ich beenden
Wir Kandidaten haben uns nicht nur geachtet, uns niemals gerauft
Sogar füreinander Kaffee gekocht und Brezlen gekauft
Das ist ein Beispiel wies gehen kann
Alle haben das miteinander erreicht – kein Wahn
Lasst euch also nicht auseinander treiben
Sollen sich doch die anderen verwundert die Augen reiben
Manches wird künftig noch schwieriger werden,
hören wird man sicher so manche Beschwerden
denn die fetten Jahre, sie sind vorbei
Mit Geld ging früher alles, einerlei
Aber in der Gesellschaft und Kirche in gleicher Weise
Manches wird schwierig, ich sag das nicht polternd, ich sage das leise
Die Herausforderungen sind gewiss sehr groß
Ich komm wieder zum Anfang, mit den Ahs und den Ohs
Dann schmerzt es, wenn Leute meinen, sie müssten aus der Kirche austreten
Natürlich: kann man auch überall beten
Es gibt in der Kirche Schwächen und Sünden
Es ist schlimm, sie in unserer Menschlichkeit gründen
Aber, Ich sag euch das grad mal generös
liebe Narren, bitte seid mir net bös
Im Wald wird das Christentum, trotz anderer Aussagen, nicht so sehr gelebt
Und auch mit Parolen man den Glauben nicht belebt
Das einzige, was wirklich helfen kann
Ist das christliche Leben in Gemeinschaft sodann
Das sich gegenseitige Stärken beim Herrn
In der Messe, da werden sich die Herzen bekehrn
Das christliche Abendland wird nicht mit Worten gerettet
Sondern nur, wenn wir uns in Liebe uns an unseren Herrn gekettet
Indem wir hören auf seine Worte, im Sakrament ihn erfahren
Und deshalb Nächstenliebe in unserem Herzen bewahren
Nur, wo das wirklich wird gelebt
Es mit dem Glauben auch voran geht
So wie heute, wenn wir miteinander feiern
Das Vater Unser nicht nur runter leiern
Sondern wirklich versuchen, im Alltag danach zu leben
Uns mühn, nach dem Willen Gottes zu streben
So vieles ich dazu ermutigend seh
Und deshalb ich voll Zuversicht hier vor euch steh
Mit euch gemeinsam will ich den Glauben gestalten
Denn Christentum ist so viel mehr als nur Verwalten
Wo wir alle zusammen das buchstabieren
Müssen keine Ahs und Ohs mehr regieren
Da leben wir in Freude mit unserem Herrn
Und bezeugen seine Liebe zu uns Menschen gern
Das gilt heut, morgen und alle Tage
Mit Gott ists Leben erfüllend, keine Frage
Drum bleiben wir auch nach der Fasnet noch glücklich und froh
Und ich ende jetzt hier mit Schelmo _________.


